Es ist eines dieser Dinge, die man nie hinterfragt, weil sie so selbstverständlich wirken. Der Aperol Spritz kommt, der Strohhalm steckt drin, man trinkt. In Deutschland ist das Standard, in Bars, auf Terrassen, bei jedem zweiten Sommerevent.
Dabei empfehlen Bartender und Aperitivo-Experten seit jeher das Gegenteil: Den Spritz direkt aus dem Glas trinken, ohne Strohhalm. Der Grund ist überraschend simpel. Und einleuchtend.
Warum der Strohhalm das Geschmackserlebnis verändert
Ein großer Teil unseres Geschmacksempfindens entsteht über den Geruchssinn.
Wer einen Aperitivo direkt aus dem Glas trinkt, nimmt die Aromen von Orange, Schaumwein und Bitterkräutern bereits beim ersten Schluck intensiv wahr.
Durch einen Strohhalm wird dieser Effekt deutlich reduziert – die Nase bleibt außen vor, und mit ihr ein wesentlicher Teil des Erlebnisses.

Auch das Mundgefühl verändert sich: Beim Trinken aus dem Glas verteilt sich die Kohlensäure gleichmäßig im Mund und sorgt für ein frisches, lebendiges Gefühl. Durch den Strohhalm gelangt das Getränk konzentrierter auf einen kleineren Bereich.
Und dann ist da noch die Orangenscheibe – weit mehr als Dekoration. Ihre ätherischen Öle und feinen Zitrusaromen ergänzen den Geschmack des Aperitivos und werden beim direkten Trinken aus dem Glas wesentlich stärker wahrgenommen.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt, den viele Bartender beobachten: Nicht der Strohhalm selbst lässt die Kohlensäure schneller verschwinden. Vielmehr verleitet er viele dazu, immer wieder im Glas umzurühren und genau das beschleunigt den Verlust an Frische.
Aperol Spritz richtig trinken: Ein Blick nach Italien
Ob in Mailand, Venedig oder Turin: Ein klassischer Spritz wird in Italien traditionell direkt aus dem Glas genossen.
Das Aperitivo-Ritual ist dort mehr als ein Drink – es ist eine Pause im Tag, ein bewusstes Innehalten vor dem Abendessen, bei dem Duft, Geschmack, Kohlensäure und Garnitur gemeinsam ein Erlebnis ergeben. Der Strohhalm spielt dabei keine Rolle. Er war nie Teil des Rituals, und das hat einen Grund.

Was in Italien als Selbstverständlichkeit gilt, ist in Deutschland schlicht nie angekommen. Dabei ist die Korrektur denkbar einfach: Strohhalm weglassen, Glas nehmen, trinken.
Die Orangenscheibe an den Glasrand lehnen, kurz innehalten, die Aromen wahrnehmen. Wer das einmal bewusst ausprobiert, wird den Unterschied sofort merken – und sich fragen, warum er es nicht schon früher so gemacht hat.
Fotos: (c) Campari Group





